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Arbeiten 4.0: Wie Deutschland die Digitalisierung durch Bildung meistern kann


Berlin, 29. Januar 2019. Die Digitalisierung stellt die Arbeitswelt vor ganz neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund fordert der Bildungsexperte Joachim Giese anlässlich des Starts der größten Messe für digitale Bildung, der LEARNTec, massive Investitionen in Weiterbildungen. Zudem bringt er die Idee eines Digitalführerscheins ins Gespräch. Joachim Giese ist Vorstand des privaten Bildungsanbieters WBS GRUPPE:

Bildung ist das wichtigste Gut einer funktionierenden Gesellschaft, denn der hohe Bildungsgrad einer Nation führt zu mehr Wohlstand für seine Bürger und den Staat. So ergab eine aktuelle Studie des Münchener ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, dass vollbeschäftigte deutsche Arbeitnehmer mit einer Lehre im Schnitt 15 Prozent mehr verdienen als Arbeitnehmer ohne Lehre. Meister-Titel, Fachhochschul- und Universitäts-Abschlüsse sorgen sogar für Bildungsrenditen von durchschnittlich bis zu 89 Prozent im Vergleich zu dem Gehalt von Arbeitnehmern, deren höchster Bildungsabschluss eine Berufsausbildung ist. Die längere Ausbildungszeit rentiert sich laut der Forscher auch aufs gesamte Leben gerechnet.

Bildungsrenditen durch Weiterbildungen
Aber auch Weiterbildungen sorgen laut des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung für Bildungsrenditen in Höhe von 6 Prozent. Bezogen auf das Durchschnittsgehalt von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland (45.240 Euro pro Jahr) ist das ein Mehrverdienst von rund 2.714 Euro pro Jahr. Zudem mindert eine erhöhte Bildung nachgewiesenermaßen auch das Risiko, arbeitslos zu werden.

Die Vorteile, die aus einer gebildeten Bevölkerung hervorgehen, können dafür sorgen, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland die Digitalisierung erfolgreich meistert. Denn laut des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung können in Deutschland bis zum Jahr 2035 rund 1,5 Millionen Jobs durch die Digitalisierung verloren gehen. Gleichzeitig entstehen demnach aber auch etwa genauso viele neue Arbeitsplätze durch diesen Strukturwandel. Damit die Menschen, deren Jobs verloren gehen, nicht in die Arbeitslosigkeit rutschen und die neu entstandenen Arbeiten nicht aufgrund eines Fachkräftemangels unbesetzt bleiben, bedarf es einer gezielten Weiterbildungsoffensive, die über die Maßnahmen des aktuellen Qualifizierungschancengesetzes hinausgehen.

Der Digitalführerschein als Grundlage für Weiterbildungsoffensive

Die Lösung könnte beispielsweise eine Art Digitalführerschein für Arbeitsuchende und Arbeitnehmer sein, deren berufliches Umfeld von der Digitalisierung beeinflusst wird. Auf diese Weise kann geprüft werden, ob Arbeitnehmer Wissenslücken im Bereich der Digitalisierung aufweisen. Ist dies der Fall, muss es sofort möglich sein, die fehlenden Kenntnisse durch entsprechende Weiterbildungen kostenfrei zu erlernen. Die Bundesregierung ist hier gefragt, die entsprechenden Investitionen für dieses Projekt zu tätigen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sollten bei der Förderung ihrer Mitarbeiter noch stärker entlastet werden.

Zwar wäre dieses Projekt kurzfristig mit hohen Kosten verbunden, doch langfristig geht die Rechnung auf: Besser gebildete Menschen verdienen mehr Geld und erwirtschaften damit auch mehr Steuergelder. Gleichzeitig sinkt ihr Risiko, arbeitslos zu werden, was die Sozialausgaben des Staates verringert. Gerade für eine Exportnation wie Deutschland ist es zudem von enormer Relevanz, den Herausforderungen der Digitalisierung mit genügend Fachkräfte zu entgegnen, um auch auf lange Zeit global konkurrenzfähig zu bleiben. Bildung bleibt nämlich auch in Zukunft das wichtigste Gut einer Gesellschaft.